Die Tradition der Ehrlichkeit

Einst eine Region der bettelarmen Bauern, heute ein Zeugnis l√§ndlicher Tradition ‚Äď mit Menschen, die es sich nicht nehmen lassen, das, was sie lieben, auch zu leben. Der Spreewald ist auf seine ganz eigene Art multikulturell.

Am buntesten strahlen dabei immer noch die niedersorbischen Trachten ‚Äď Fest- und Arbeitskleidung der urspr√ľnglichen Bev√∂lkerung, der Wenden. Teils sind diese in Handarbeit bestickt und haben ein ganz individuelles Muster.
Bewundern kann man sie, wenn beim Erntefest ‚ÄěKokot‚Äú der Hahn gerupft, geschlagen oder gefangen wird, in der Fastnacht ‚ÄěZapust‚Äú Trachtenpaare durch die Orte ziehen oder beim Osterfeuer die Wachstumsgeister beschworen werden. Im Gegensatz zu anderen Regionen sind viele der B√§uche noch heidnisch.¬†Die sorbischen Muster finden sich als bunte Handzeichnung auf Eiern oder in klassischen Blaudrucken auf Leinen wieder.
Selbst Zugezogene, deren Vorfahren aus der Region oder aus B√∂hmen, Schlesien und √Ėsterreich stammen, sind stolz auf dieses Erbe.

Wof√ľr Berlin einmal ber√ľhmt war, dar√ľber verliert im Spreewald kaum einer ein Wort. Und doch gibt es ihn hier noch: den wilden Osten. Vielleicht, weil sich die Leute lieber auf das Wesentliche konzentrieren, als sofort alles zu modernisieren, vielleicht auch einfach aus Gewohnheit ‚Ästsei es, wie es sei ‚Äď, in allen Ecken findet man die Anmut einer j√ľngeren Vergangenheit. Das kann ein Trabbi oder Lada sein, aber viel eher sind es alte Schilder, Ostm√∂bel, unsanierte Seitenstra√üen, Hemden mit typischen DDR-Mustern oder einfach die Art der Pr√§sentation von Waren im Verkaufsregal. Eine Handschrift, die W√§rme ausstrahlt, auch wenn keiner erkl√§ren kann, warum.
Menschen pr√§gen die Region, werden aber auch von der Region gepr√§gt. Hier hat sich Ehrlichkeit bew√§hrt. Man wei√ü, woran man ist, und sieht, dass man zusammenh√§lt. Das Einfache, Unkomplizierte¬† macht den Spreew√§lder Charme aus. Niemand spielt einem etwas vor; Stolz zeigt sich in Alltagskleidung doch auch viel besser als im Anzug. Wortkarg, ruhig verlaufen die Gespr√§che, herzlich und intensiv sind die Beziehungen. Wer sich √∂ffnet, wird hier schnell ein L√§cheln ernten, doch wer im Spreewald Freunde findet, findet sie f√ľrs Leben.
Sie sind die echten, eigentlichen Spreew√§lder. Und zwar, weil die Wenden, wie sie sich selbst bezeichnen, einfach schon am l√§ngsten hier sind. Sorben haben ihre Sprache behalten und ihre eigene Kultur aus der b√§uerlichen Tradition entwickelt. Ihre Trachten strahlen all das Selbstbewusstsein aus, das sich in der Erschlie√üung des Spreewalds, harter Arbeit, ihren slawischen Wurzeln und Br√§uchen begr√ľndet. Als offizielle Zweitsprache ist das Niedersorbische auf vielen Ortsschildern zu finden und wird auch weiter gelehrt. Der Spreewald hei√üt auf sorbisch B?ota.
So ehrlich wie das Land ist auch das Essen: b√§uerlich, bodenst√§ndig, gut. Nat√ľrlich spiegelt sich die Landwirtschaft in der K√ľche wieder. Dass Kartoffeln mit Lein√∂l und Quark ein Lieblingsgericht vieler Spreew√§lder sind, ist somit nicht verwunderlich. Auch die traditionelle Gr√ľtzwurst darf auf keiner Speisekarte fehlen, am besten in Hausschlachtung hergestellt. Ferner wird Fisch gereicht, in urspr√ľnglichen Varianten. Karpfen mit Bierso√üe mag komisch klingen, schmeckt aber sagenhaft. Und eine eingelegte Gurke findet auf dem Teller noch immer ihren Platz.
Ob nun wegen der Natur oder der Kultur ‚Ästwo Menschen sind, dort zieht es Menschen hin. So ist der Spreewald bereits seit der Jahrhundertwende eine traditionelle Ausflugsregion, die mit weit mehr als nur Gurken und Kahnfahrten f√ľr √§ltere Herrschaften aufwarten kann.

Selbst jene, die als Jugendliche fortgegangen sind in gro√üe St√§dte, kommen gern wieder zur√ľck, weil sie den Zauber der Region und die Gelassenheit vermissen. Der Spreewald bietet alles, was auch die Ans√§ssigen so lieben: Streifz√ľge √ľber die Wiesen, Rad- und Kanutouren, das Erkunden verlassener Orte und den Vorteil, einfach mal seine Ruhe zu haben.

Zunehmend entdeckt auch ein junges Berliner Publikum die einzigartige Landschaft und das authentische Wesen der Regionalkultur. Hier kann man noch Urspr√ľnglichkeit entdecken und mit Menschen reden, die sich nicht in erster Linie f√ľr das neueste Smartphone interessieren. Allenfalls benutzen sie es einfach. Mit Nebens√§chlichkeiten hat sich hier noch nie jemand besch√§ftigt.

Auf Tuchf√ľhlung mit der Kultur

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