Spreewälder Gurken als Sympathieträger

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Lutz Habermann, Geschäftsführer des Spreewaldvereins im Interview

Wie sind die Landwirte im Spreewald in die aktuelle Gurkensaison gestartet?

Im vorigen Jahr herrschten anfangs sehr schwierige Witterungsverhältnisse, die unseren Landwirten viele Probleme bereitet haben. In diesem Jahr begann die Vegetationsperiode auf Grund des milden Winters sehr zeitig. Der Spargel kam sehr gut und früh und auch die Erdbeeren versprechen eine gute Ernte. Wir hoffen daher auch auf ein gutes Gurkenjahr und gehen davon aus, dass genug Spreewälder Gurken geerntet werden können, um den Bedarf der Verarbeitungsbetriebe zu decken. Immerhin kommen alle Gurken, die als Spreewälder Gurken vermarktet werden, zu 100 Prozent aus der Region.

Was macht die Spreewälder Gurken so besonders?

Wir haben im Spreewald eine Vielzahl erlesener regionaler Produkte, der Sympathieträger ist und bleibt jedoch die Spreewälder Gurke. Ihr einzigartiger Geschmack liegt zum einen an den streng gehüteten traditionellen Rezepturen, die über Generationen überliefert worden sind und sich vor allem durch die Verwendung von frischen Kräutern und Zwiebeln von denen der Konkurrenz unterscheiden. Und die Spreewälder Gurken sind besonders knackig.

Warum gedeihen die Gurken im Spreewald so gut?

Die Bauern und Gärtner in der Spreewaldregion verfügen über eine langjährige Tradition im Anbau und der Verarbeitung von Gurken. Zusammen mit den Besonderheiten des leicht kontinentalen Klimas und der spezifischen Zusammensetzung der Böden in der Region hat sich die geschätzte Qualität der Gurken herausgebildet. Heute wird dies unterstützt durch modernste Verfahren der kontrollierten integrierten Produktion.

Vor welchen Herausforderungen stehen Anbauer und Verarbeiter in diesem Jahr?

Die Rahmenbedingungen für den Anbau und die Verarbeitung der Spreewälder Gurke sind, was die Anbauflächen und die Witterung betrifft derzeit für die ansässigen Unternehmen als positiv einzuschätzen. Problematisch wird sich jedoch die Einführung des gesetzlichen Mindestlohnes auf die Wirtschaftlichkeit unserer Unternehmen auswirken, die überwiegend auf Saisonkräfte aus Polen und Rumänien angewiesen sind. Es ist davon auszugehen, dass sich diese Entwicklung deutlich auf den Endverbraucherpreis im Lebensmittel Einzelhandel auswirken wird. Stellt sich die Frage, ob der Kunde bereit ist, in den kommenden Jahren für ein qualitativ hochwertiges regionales Produkt auch einen höheren Preis zu zahlen. Im Unterschied zu anderen Produkten ist die Spreewälder Gurke an ihren Standort im Wirtschaftsraum Spreewald gebunden und kann nicht auf andere Märkte, wie in der Wirtschaft allgemein üblich, ausweichen. Wir sind aber sicher: Verbraucher, die auf ein hochwertiges, kontrolliertes und regional erzeugtes Produkt setzen und selbst einen Beitrag für ihre gesunde Ernährung leisten wollen, werden den leckeren Spreewälder Gurken die Treue halten.

Welche Bedeutung hat die Spreewälder Gurke für die Wirtschaft und den Tourismus?

Im Spreewald findet mit dem Anbau und der Veredlung der Gurke echte regionale Wertschöpfung statt, von der die Landwirtschafts- und die Verarbeitungsbetriebe sowie die Tourismuswirtschaft gleichermaßen profitieren. Die Gurke ist durch ihren einzigartigen Geschmack ein wichtiger Botschafter des Spreewaldes mit seinem deutschlandweit bekannten UNESCO Biosphärenreservat. Auch für die Tourismuswirtschaft ist sie ein wichtiges Markenzeichen und trägt letztendlich dazu bei, dass den hier lebenden Menschen Einkommen und Zukunft gesichert werden kann. Die Anerkennung des europäischen Schutzes von Spreewälder Gurken im Jahre 1999 durch die EU war ein historischer Erfolg für die Region und hat entscheidende wirtschaftliche Impulse für die ländliche Entwicklung hervorgerufen. Im Wirtschaftsraum Spreewald werden durchschnittlich zwischen 35000 und 40000 Tonnen pro Jahr geerntet. Es ist der Schutzgemeinschaft bisher gelungen, die Gurke hier am Standort zu sichern und die Wertschöpfung in der Region zu halten. Das ist einer der großen Erfolge, den die Landwirte und die Verarbeiter mit Unterstützung des Spreewaldvereins gemeinsam auf den Weg gebracht haben.

Der Spreewaldverein hat maßgeblichen Anteil am Erfolg der Region. Worauf sind Sie besonders stolz?

Der Spreewaldverein ist Anfang der 90er-Jahre mit dem Ziel gegründet worden, die einzigartige Natur- und Kulturlandschaft des Spreewaldes zu erhalten und zugleich den Menschen eine wirtschaftliche Perspektive zu geben. Dem Verein ist es ein wichtiges Anliegen, auf den Zusammenhalt der Spreewaldregion Einfluss zu nehmen und Entwicklungen zu unterstützen, die diesem Gedanken Rechnung tragen. Wir zählen mit fast 160 Mitgliedern zu den größten Vereinen in der Region. Zu den Vereinsaufgaben zählen insbesondere die Vermittlung von Fördermöglichkeiten aus dem EU Programm zur Entwicklung ländlicher Räume sowie die Pflege der Regionalmarke Spreewald. Besonders stolz sind wir insbesondere darauf, dass es uns gelungen ist, eine Vielzahl von Unternehmen des Spreewaldes davon zu überzeugen, dass Ihnen die Vermarktung ihrer regionalen Produkte unter der regionalen Dachmarke Spreewald eine höhere Wertschöpfung verspricht. Die Mitwirkung an den Wertschöpfungsmaßnahmen „ Spreewälder Bio-Milch“, dem „Spreewälder Leinöl“ sowie der „Spreewälder Gurke und dem Spreewälder Meerrettich machen dies sehr deutlich.

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