Zwei Festtage im Zeichen der Spreewaldgurke

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Regionale Wirtschaft, Kultur und Traditionen präsentierten sich auf dem 16. Gurkentag in Golßen

Tausende Besucher sind am Wochenende wieder über die große Erlebnis- und Schlemmermeile in der Golßener Innenstadt gebummelt. Dort stand zum 16. Spreewälder Gurkentag alles im Zeichen des knackigen grünen Gemüses sowie weiterer regionaler Spezialitäten und Traditionen. Hautnah erleben konnten sie dessen Anbau und Verarbeitung sowie kulturelle und kulinarische Vielfalt.

Golßen Erstmals konnten die Gastgeber Brandenburgs Ministerpräsidenten Dietmar Woidke (SPD) zur Eröffnung des Festes begrüßen. Er sei stolz auf die Spreewälder, die in den 1990er Jahren einen schwierigen Weg zu bewältigen hatten, als sie um die europaweite Anerkennung der Spreewaldgurke rangen. Viele Akteure hätten die Region zu dem entwickelt, was sie heute ist, insbesondere die Unternehmer und Landwirte. „Sie stehen besser da als jemals zuvor und werden auch die Herausforderungen der Zukunft meistern“, würdigte er deren Leistungsfähigkeit. Davon konnten sich die Besucher an den zwei Festtagen an über 140 Ständen in der Golßener Innenstadt überzeugen.
Zahlreich verfolgten die Gäste nach der Eröffnung zunächst gespannt die Krönungszeremonie des 16. Spreewälder Gurkenkönigspaares, Carolin I. und Andreas I. Dieses öffnete in erster offizieller Amtshandlung ein Fass frisch eingelegter Gurken der Saison und verteilte die Köstlichkeiten an die Besucher. Bis zum 17. Spreewälder Gurkentag am 8. August 2015 wird die Regentschaft der 28-jährigen Carolin und ihres 35-jährigen Ehemannes Andreas Wiesner aus dem kleinen Dorf Krossen nahe Golßen dauern. In seiner Festtagstracht repräsentiert das Paar Tradition und Brauchtum der Spreewaldregion und ist Sinnbild für die Gemeinschaft von Gurkenanbauern und -verarbeitern.

Verschiedenste Geschmacksrichtungen der verarbeiteten grünen Feldfrüchte konnten die Besucher während des Marktbummels kennen lernen. Am Stand von Spreewald-Feldmann aus Lübben, Krügermann aus Lübbenau und des Golßener Spreewaldhofes gab es Knoblauch-, Senf-, Gewürz- und natürlich saure Gurken zum Naschen und Mitnehmen. Frisches Spreewaldgemüse vom Burger Gemüsebaubetrieb Duschka und der Göritzer Agrar GmbH und dazu reichlich frische Einlegegurken vom Gurkenhof Frehn aus Schöneiche waren bei den Gurkentagsbesuchern ebenso gefragt. Die breite Palette weiterer Spreewälder und Brandenburger Spezialitäten auf der Einkaufs- und Schlemmermeile vom Markt bis zum Spreewaldhof reichte von A wie Aroniabeeren bis Z wie Zwiebelzopf. Dazwischen waren alte Handwerkstechniken von der Flachsverarbeitung über das Wolle spinnen, die Senfgurkeneinlegerei bis zum Fertigen von Holzpantoffeln und –mulden zu entdecken. Traditionelle und moderne Tänze, Volkslieder, Schlager, bayerische Folklore aus der Spreewälder Partner-Tourismusregion Chiemsee-Alpenland sowie karnevalistische Einlagen boten auf den Bühnen am Markt und Lindenplatz beste Unterhaltung.
Wie die frisch geernteten knackigen Gurken ins Glas kommen, verfolgten zahlreiche Besucher bei Betriebsrundgängen durch die Spreewaldkonserve Golßen GmbH. Auch ein Ausflug zu Gurkenfeldern in der Umgebung mit dem Kremser zählte zum Erlebnis-Angebot des Festwochenendes.

HINTERGRUND

Die Gurke als Leitprodukt des Spreewaldes steht während des Spreewälder Gurkentages im Mittelpunkt. „Die Anerkennung der ‚Spreewälder Gurken’ und des ‚Spreewälder Meerrettichs’ als EU-weit geschützte geografische Angaben im Jahr 1999 waren der Anlass für den ersten Spreewälder Gurkentag“, erläutert Lutz Habermann, Geschäftsführer des Spreewaldvereins. Seit 2007 wird das Fest stets am zweiten August-Wochenende in der Kleinstadt Golßen im Nordwesten des Wirtschaftsraumes Spreewald begangen. Der Wirtschaftsraum ist deutlich größer als das zentrale Großschutzgebiet Biosphärenreservat Spreewald. Er reicht im Norden von Märkisch Buchholz bis Golßen und im Süden über Altdöbern bis Cottbus und Burg.
Gezielt wurde laut Lutz Habermann in den vergangenen Jahren die Markenstrategie für die Dachmarke „Spreewald“ weiterentwickelt. Nur Unternehmen, die im Wirtschaftsraum ansässig sind und die Rohstoffe zur Veredelung überwiegend aus dem Wirtschaftsraum beziehen, können ihre Produkte mit dem Gütesiegel zertifizieren lassen.
124 Unternehmen sind nach Angaben des Vereins aktuell zertifiziert (Stand Januar 2014). Sie bieten 1422 Produkte und Dienstleistungen an. Dazu zählen beispielsweise 499 Gerichte in 39 Gaststätten der Wirtschaftsregion sowie 36 „Spreewald-Markt“-Geschäfte.

Darüber hinaus verfolgt der Spreewaldverein zielstrebig die Strategie, die landwirtschaftlichen Erzeuger und Verarbeiter in einen regionalen Wirtschaftskreislauf einzubinden, der die Marke „Spreewald“ weiter stärkt und den beteiligten Unternehmen zu einer höheren Wertschöpfung verhilft. Beispiele für auf diese Weise neu entwickelte Produkte sind unter anderem die „Spreewälder Gurkenbockwurst“, „Spreewälder Meerrettichwiener“, „Spreewälder Karpfensülze“ und der „Lein-Power-Riegel“. Mit dem Ziel einer besseren Bewerbung und Vermarktung ihrer Produkte haben sich Wertschöpfungspartnerschaften für die „Spreewälder Biomilch“ und das „Spreewälder Leinöl“ gebildet, an denen 18 regionale Unternehmen beteiligt sind. Für letzteres bauen fünf Landwirtschaftsbetriebe in der Region die Leinpflanzen an, das in den Spreewälder Ölmühlen von Sagritz über Lübbenau, Burg, Straupitz bis nach Kolkwitz zum Spreewälder Leinöl verarbeitet wird.

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